Montag, 11. Juli 2016

Sechsundzwanzig - und jetzt?

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Ich hatte vor ein paar Tagen Geburtstag und bin 26 geworden. 

Dieser Satz steht da nun schon einige Minuten. Ich habe ihn wahrscheinlich auch 26 mal gelesen, aber immer noch nicht realisieren können. Sechsundzwanzig. 
Ich bin einfach mal 8 Jahre älter als 18-jährige. Klar, wenn ich scheinbar 18-jährige in der Bahn sehe, kommen sie mir extrem jung vor. Wenn ich aber zurück denke an meine Zeit mit 18, kommt es mir gar nicht so lange her vor. Aufgrund von noch 13 Schuljahren und da ich erst mit 7 eingeschult wurde, ist mein Abitur doch aber noch nicht so lange her. Oder doch? 6 Jahre. Wow. 
Ich bin dichter an der 30 als an der 20. Und das erstaunt mich.

Ich habe keine Angst vorm Älter werden und ich finde 30 auch nicht alt. Versteht mich nicht falsch, 26 ist immer noch jung, die Zwanziger sind klasse, und ich freue mich auf jedes neue Lebensjahr. Es geht hier vielmehr darum, dass ich es nicht begreifen kann. Dass die Zeit rennt, und rennt, und plötzlich ist man über Mitte Zwanzig und hat es nicht bemerkt. Und dass ich mich einfach nicht fühle wie 26. Denke ich. Denn ich weiß ja nicht, wie man sich mit 26 fühlen sollte.

Manchmal denke ich, ich fühle mich wie 20. Oder 22. Das ist übrigens auch das Alter, auf das ich vom Aussehen her oft geschätzt werde. 22 oder 23. Team Babyface. Aber gut, besser jung aussehen als zu alt. Wenn ich dann aber daran denke, was ich mit 20-22 gemacht habe, wie ich mich teilweise verhalten habe, was ich gefühlt habe, dann weiß ich ganz sicher, dass ich mich doch verändert habe. Ich bin auch innerlich nicht mehr Anfang 20. Meiner Meinung nach ist jeder Mensch manchmal 16, manchmal vielleicht 35, manchmal 22. In Situationen, für ein paar Minuten vielleicht. Aber so meine Basis, meine Gefühls- und Verhandlungsbasis, ist vielleicht doch Mitte Zwanzig. Ich bin selbstbewusster, ruhiger, mehr bei mir selbst. Glücklicher. 

Mit ungefähr 15 Jahren habe ich mir das alles ganz anders vorgestellt. 26 war schon ziemlich erwachsen für mich. Ich habe oft gedacht, dass ich mit 26 heirate und mit 28 ein Kind bekomme. Ich dachte, ich habe sicherlich meine Ausbildung oder mein Studium abgeschlossen, einen festen Job, den ich mag, und einen festen Partner. Woran ich mich nicht erinnern kann, ist der Wohnort. Habe ich mir ein Haus oder eine Wohnung vorgestellt, und wo? Da ich am Stadtrand aufgewachsen bin, wo die meisten Leute in Einfamilienhäusern wohnen, habe ich mich selbst wahrscheinlich auch dort gesehen. Heiraten und Kinder bekommen stand auf meiner Zukunftsliste ganz automatisch. Weil es eben dazugehörte. Als ich älter wurde und mir bewusst wurde, dass ich studieren werde und anschließend eventuell auch Karriere machen möchte, habe ich das Alter für Hochzeit und Kinder leicht verschoben, aber auch eher nur um ein Jahr. Ansonsten blieb alles gleich.

Jetzt bin ich 26, unverheiratet, und habe nicht vor, in den nächsten 2 Jahren Kinder zu bekommen. Ich bin seit hundert Jahren (fünfeinhalb) in einer festen Beziehung, wir wohnen zusammen, wir sind glücklich. Aber wir heiraten jetzt nicht. Ich bin noch nicht einmal sicher, ob ich überhaupt heiraten muss. Ich finde es schön, die Feier, den Liebesschwur, die Zeremonie, aber ich brauche keine Kirche, ich brauche sowieso nichts davon, aber vielleicht möchte ich es. Irgendwann. Kinder möchte ich auch haben, auf jeden Fall, aber realistisch gesehen nicht vor Anfang 30. Und der feste Job? Den hatte ich schon. Und ich war unglücklich. Deshalb habe ich ein Masterstudium begonnen. Damit bin ich jetzt eigentlich durch, es fehlt nur die Masterarbeit. Andere Leute haben mit 26 schon eine steile Karriere hingelegt. Ich hätte mit meinem 1.5 BWL Abschluss auch in eine Beratung oder ins Investment-Banking gehen können. Sicher hätte ich dann jetzt viel Geld verdient. Sicher wären einige Menschen stolz auf mich. Nicht sicher, aber sehr wahrscheinlich, wäre ich unglücklich. Denn das bin nicht ich. Zur Zeit arbeite ich 20 Stunden die Woche als Werkstudentin in einem Online-Shop und die restliche Zeit der Woche arbeite ich an meinem Blog oder aber ich habe Freizeit. Ich gehe zum Sport, treffe Freunde. Und das finde ich okay. Ich habe ein duales Bachelor-Studium gemacht, hatte nie Semesterferien, hatte immer Anwesenheitspflicht, hatte egal ob Uni oder Praxisphase von 8 bis 17 Uhr Programm. Im Master war ich frei, und das habe ich genossen. 

Manchmal bekomme ich ein wenig Panik. Dann denke ich, dass ich lieber schnell die Masterarbeit schreiben und mir anschließend einen festen Job suchen sollte. Denn vor den Kindern möchte ich ja noch arbeiten, und zwar erfolgreich. Und dafür braucht es ein paar Jahre. Manchmal denke ich, dass ich lieber ein richtiges, festes, höheres Gehalt hätte anstatt des Werkstudentenlohns plus die variablen Blogeinnahmen. Manchmal denke ich, vielleicht sollten wir in zwei Jahren heiraten. Aber warum? Nur, damit mein 15-jähriges Ich beruhigt ist? 

Ich bin sechsundzwanzig. Ich habe ein abgeschlossenes duales Bachelor-Studium und eine abgeschlossene Berufsausbildung (die war da sozusagen inklusive). Ich habe ein 6-monatiges Auslandspraktikum bei Hugo Boss in New York gemacht. Ich war ein halbes Jahr festangestellt als Social Media Mensch. Ich habe alle Prüfungen für mein Masterstudium in Textilmanagement abgelegt. Ich habe Südafrika, die USA, Bali, Malaysia, Thailand, Singapur und viele Teile Europas bereist. Ich führe einen Blog, der mir Spaß bringt und als Nebenjob dient. Manchmal fühle ich mich jung, manchmal fühle ich mich unsicher, manchmal habe ich Angst vor der Zukunft. Aber die meiste Zeit bin ich glücklich. 

Und mit dieser Antwort wäre mein 15-jähriges Ich wahrscheinlich zufrieden. 




Kommentare:

  1. Mach Dir keinen Stress - wichtig ist es, dass du mit Deinem Leben zufrieden bist. Und dass es finanziell alles möglich ist.

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  2. Lass dir alle Zeit der Welt, du lebst nur ein Mal. Und sicher bist du nicht die Einzige die so denkt. Heutzutage müssen wir viel zu früh lebenswichtige Entscheidungen treffen. Was wollen wir wirklich von der Zukunft? Wo sehen wir uns in zehn Jahren? Meiner Meinung nach, kann man die Frage nicht mit Anfang 20 beantworten. Das Leben steckt voller Überraschungen, man muss sich nur trauen! :)

    Love,

    Sandra von http://fashionholic.de

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  3. Was für ein schöner Beitrag:) Und alles Gute noch nachträglich! Ich bin ebenfalls 26, stecke in den letzten Zügen meines Masterstudiums (mir fehlt auch nur noch die Masterarbeit, aber irgendwie schaff ich es einfach nicht, anzufangen)und weiß nicht so recht, was danach kommen soll. Auslandspraktikum kann ich keins vorweisen und wenn ich mein Studium nächstes Jahr beendet habe bin ich wahrscheinlich schon 27 und habe 7 Semester für den Master gebracuht. Aber das ist ok. Ich habe hier wundervolle Leute kennengelernt, ich arbeite ebenfalls meist 20 Std pro Woche und generell gefllt mir mein Leben gerade ziemich gut. Darum will ich meinen letzten freien Sommer jetzt noch genießen, bevor dann nächstes Jahr ganz offiziell der Ernst des Lebens losgeht.

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  4. wow toller Beitrag
    http://carrieslifestyle.com

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  5. zu erst, alles liebe nachträglich
    ich kenne das so gut, dass man an sich zweifelt am geburtstag oder zumindest sich fragt was man so alles geschafft hat, von dem was man sich als kleinere Version gewünscht und vorgestellt hat.
    aber ich muss sagen, vor allem was deine reiseziele angeht, kannst du echt stolz auf dich sein :)

    alles Liebe deine AMELY ROSE

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  6. Ein absolut toller Beitrag meine Liebe! Du hast alles richtig gemacht und das sage ich nicht nur, wenn auch 2,5 Jahre jünger und mit noch bevorstehendem Masterstudium, es ungelogen fast genauso gemacht habe oder mache und deine Ansichten absolut teile..

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I love reading your comments. Thank you <3

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