Montag, 30. Mai 2016

BLOG LIFE: "Andere Blogger machen das aber für einen 50-Euro-Gutschein..." oder warum ein Gutschein keine Bezahlung ist

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Picture via unsplash
"Vielen Dank für Dein Angebot. Leider schlägt es komplett über die Stränge. Dass Du eine monetäre Vergütung forderst - und dann auch noch im dreistelligen Bereich -, ist uns unbegreiflich. Andere Blogger machen das für einen 50-Euro-Gutschein für unseren Online-Shop."

Mein erster Gedanke: Selbst schuld. Also die Blogger, die sich so ausnutzen lassen.

Mein zweiter Gedanke: Obwohl, eigentlich bin ja ich die doofe, und nicht die anderen Blogger. Denn würden sie sich nicht unter Wert verkaufen, wäre die Kooperation vielleicht auch nach meinen Vorstellungen noch möglich.

Mein dritter Gedanke: Wie unseriös muss man denn bitte sein, wenn man Bloggern so wenig bezahlt, und im Gegenzug so viel bekommt?!

Es gibt immer jemanden, der deinen Job günstiger macht. Klar, das wissen wir alle. Aber in letzter Zeit haben sich Antworten dieser Art gehäuft und je nach Tagesstimmung rege ich mich dann dezent bis stark darüber auf. Es gibt auch schon zahlreiche Blogbeiträge über dieses Thema, aber ich muss das jetzt auch mal aufschreiben. 

Warum ein 50-100€ Gutschein für den eigenen Online Shop keine Bezahlung ist:

Der erste und logischste Grund, warum sich ein Blogger ungern mit Gutscheinen bezahlen lässt, ist, dass man damit weder Miete noch Lebensmittel noch Versicherungen noch die Handy-Rechnung bezahlen kann. Und auch wenn man so wie ich "nur" nebenberuflich Blogger ist, bleibt dieser Grund bestehen. 
Der zweite Grund ist, dass das Unternehmen damit mehr als günstig davon kommt und sich wahrscheinlich breit grinsend die Hände reibt. Die Kosten für einen solchen Gutschein belaufen sich in den meisten Fällen auf Null Euro, da sie irgendwo irgendwie in der Bilanz des Unternehmens abgeschrieben werden können. Eventuell, z.B. bei kleineren Unternehmen, verursachen Gutscheine doch Kosten. Aber selbst wenn das Unternehmen nicht in Bangladesh/China/Indien bezieht und kleine Mengen einkauft, wird der Einkaufswert bei maximal 50% des Verkaufspreises liegen. Bekommt der Blogger also einen 100 Euro Gutschein, kommen auf das Unternehmen maximal - wirklich MAXIMAL- Kosten von 50 Euro zu. Handelt es sich um Gutscheine in einem deutlich höheren Wert, kann man vielleicht drüber reden. Das muss der Blogger natürlich selbst entscheiden. Wenn der Blogger zwar mit einem 1000 Euro Gutschein keine Miete zahlen kann, aber schon immer ein Produkt aus dem Shop haben wollte, zum Beispiel, ist das ja in Ordnung. 

Aber warum sollte denn das Unternehmen "so viel" bezahlen?

Warum ein Gutschein einem Blogger nicht reicht, ist also geklärt. Vielleicht stellt sich jetzt jemand die Frage, warum das Unternehmen denn überhaupt Geld zahlen sollte. "Ist es nicht schon genug, dass du coole Produkte bekommst?" Nein. Nicht nur wegen der Miete, sondern auch, weil ich es nicht einsehe, quasi kostenlos meine Werbefläche zur Verfügung zu stellen. Denn genau das ist mein Blog in dem Moment. Und das gilt nicht nur für die ganz großen Blogs. Schau dir mal an, wie viele Leute deinem Blog folgen bzw. wichtiger: wie viele Leute deine Blogposts aufrufen. Dann nehme diese Zahl und sagen wir, 50% der Leute klicken deinen gesponserten Link an zu einem Shop, mit dem du gerade kooperierst. Und sagen wir von diesen 50%, verbringen 10% einige Zeit in dem Shop. Und von diesen 10% kaufen 50% tatsächlich etwas ein. Angenommen du hast 1.000 Aufrufe, sind das 25 Einkäufer. Wenn die alle 50-100 Euro ausgeben, also durchschnittlich 75 Euro, hat der Online Shop schon 1.875 Euro Umsatz vor Retouren durch dich gemacht. Und du hast einen 100€-Gutschein bekommen. Think about it.
(Die Zahlen habe ich mir ausgedacht und kann die Prozentzahlen nicht belegen. Es geht darum, das Prinzip zu verstehen.)

Zu dem generierten Umsatz kommt aber ein noch wichtigerer Gewinn fürs Unternehmen: die Linkplatzierung. Je mehr Links zu einem Shop führen, desto höher rutscht er im Google Ranking. Je höher man im Google Ranking ist, desto besser sichtbar wird der Shop, desto mehr Leute erreicht er durch Suchmaschinen. Linkplatzierung ist sehr kostbar für Unternehmen und du solltest dich dafür fair bezahlen lassen. 

Aber ist ein Gutschein nicht besser als gar keine Kooperation?

Jein. Diese Frage ist natürlich schwer zu beantworten. Gerade wenn man gerade erst angefangen hat zu bloggen, möchte man viele Kooperationen wahrnehmen. Ich bin auch sehr lange solche Zusammenarbeiten eingegangen. Ich habe Links für 80 Euro Vergütung gesetzt (oh my..) und Produkte vorgestellt, für die ich nichts, als eben diese Produkte bekommen habe. Wie gesagt, je nach Wert des Produktes und wie sehr man dahinter steht, ist das ja auch in Ordnung. Gerade wenn es sich um Start-Ups handelt, oder etwas, für das man gerne wirbt, z.B. nachhaltige Mode. Du musst dir aber bewusst sein, dass du schnell ausgenutzt wirst, und diesen Stempel bei dem Partner dann erstmal nicht mehr los wirst. Außerdem ist da immer noch die Branche. Die anderen Blogger. Die Situation wird sich nicht ändern, solange es genug Blogger gibt, die es günstig machen. Es gibt bereits viele Unternehmen und Agenturen, die das verstehen, und wunderbare Kooperationen anbieten mit fairen Vergütungen. Und eben die, die es noch nicht machen, werden es erst ändern, wenn sie gezwungen werden, z.B. durch einen Mangel an Bloggern, die sich ausnutzen lassen. 

Und auch wenn es manchmal ärgerlich ist, muss man dann eine solche Antwort einstecken und auf die Zusammenarbeit verzichten. Auf die lange Sicht wird sich das lohnen. 

Ich hoffe, ich konnte einigen das Thema näher bringen. 


Kommentare:

  1. Danke dafür! Kann nicht oft genug gesagt werden finde ich!

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  2. sehr gut geschrieben!
    Hab gerade erst wieder solche Anfragen bekommen.
    Anfangs habe ich mir noch die Mühe gemacht und jedes mal schön geantwortet.
    Mittlerweile ist es mir zu dumm und ich lösche solche Anfragen sofort. Denn meine Zeit ist mir zu kostbar für so einen Mist.
    Wenn es andere gibt, die es für diese Konditionen machen, dann sollen Sie bitte die fragen und nicht mich.

    LG Anni

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  3. Hallo, hier mal ein Kommentar aus beiden Sichtwinkeln. Ich arbeite als freiberufliche Digitalstrategin und bin seit über 15 Jahren in meinem Job, weiß also wovon ich rede.

    Ich stimme Dir grundsätzlich zu, bloggen ist Arbeit, sich eine Community aufzubauen auch. Natürlich sollte das nicht mit einem Gutschein "bezahlt" werden.
    ich bin sehr für faire Entlohnung von Bloggern und Influencern, allerdings wird mittlerweile mit Preisen gearbeitet, die absolute Fantasiepreise sind. Solange die Unternehmen das bezahlen: Gut für den jeweiligen Blogger. Aber das wird sich konsolidieren.

    Die größten deutschen Blogs im Fashion-Bereich haben maximal 100.000 Visits im Monat.
    Die echten Prozentzahlen was Klickraten etc angeht liegen sehr deutlich unter denen, die Du in deinem Beispiel benutzt: Von den 100.000 Visitors/ Monat lesen mit Glück 10.000 den Artikel. Auf den Link klicken im besten Fall 5%. Das sind 500 Leute. Davon konvertieren maximal 0,5% in den Kauf, das wären dann 2,5 Käufer. Durchschnittliche Warenkörbe im deutschen E-Commerce (Beispiel Fashion) liegen bei ca. 300 Euro. Das heißt das Unternehmen macht einen Umsatz von 750 Euro. Gehen wir davon aus, das nichts retourniert wird, dann bleiben nach Abzug aller Kosten viell. eine Marge von 10% = 75 Euro. Das ist vor Abzug von Steuern für das Unternehmen.

    Wenn der Artikel als Werbung gekennzeichnet ist, oder ein Affiliate Link ist, ist die SEO-Relevanz fast Null. Und bei einer Webseite, die 100.000 Visits im Monat macht ist ein Link ohne Werbekennzeichnung maximal 100 Euro Wert.
    Sprich: Wer für einen Link mehr als 150 Euro verlangt lebt im Traumtänzerland. Und das gilt für die richtig gr0ßen Blogs, ergo 100.000 Visits im Monat.

    Was ich damit sagen will: Ja, faire Bezahlung sollte sein, aber eben auch realistisch.

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    1. Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Es ist sehr interessant, auch mal die andere Seite so ehrlich und offen zu hören. :)

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  4. Generell gebe ich dir absolut recht! Jedoch muss man das auch in Relation sehen. Ich, mit meinen 30-60 views am Tag kann nicht mehr als 50 € für eine Verlinkung verlangen. Selbst das ist wahrscheinlich schon utopisch. Und wenn mir ein Shop anbietet, etwas aus seinem Shop auszusuchen, kann ich nicht noch extra Vergütung verlangen. Im Gegenzug dazu, bekommt der Shop auf meinem Blog natürlich auch nicht so viel Aufmerksamkeit, wie auf deinem Blog.
    Gibt es Blogger, die ungefähr die selben Klickzahlen haben wie du und sich unter dem Wert verkaufen, sind sie natürlich selber Schuld, aber schaden dir auch gleichzeitig. Das ist dann natürlich ärgerlich. Die Frage ist nur, wie ehrlich sind Blogger zueinander was sie verdienen? Wenn ich dich anschreiben würde und fragen würde was du verlangst (wir gehen davon aus ungefähr die gleiche Anzahl an Lesern und Klickzahlen zu haben), würdest du mir antworten? Natürlich, wenn ich mit Bloggern befreundet bin, kein Ding. Wenn ich aber keine Bloggerfreunde habe, ist es dann trotzdem okay zu fragen und auch eine Antwort zu bekommen?

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    1. Danke für deinen langen Kommentar!
      Niemand spricht mit "Fremden" gerne über sein Gehalt, egal in welcher Branche. Würdest du mich jetzt in einer Email einfach fragen, fänd ich das sicher seltsam. Wenn mir aber ein Blogger seine Zahlen schickt und ein Angebot eines Unternehmens und mich fragt, wie viel ich an seiner Stelle dafür berechnen würde, würde ich das prinzipiell machen. Es ist schwierig, Transparenz zu wahren, und es ist auch okay, wenn der Blog noch nicht so groß ist, solche Kooperationen einzugehen, nur sollte man sich einfach jedes Mal fragen, ob das vom Wert passt. Ich hatte anfangs auch schon mal ne Kooperation, wobei ich mich nicht wohl gefühlt habe, aber nicht absagen mochte. Das passiert mir jetzt nicht mehr.
      Und du hast natürlich Recht damit, dass die Vergütung in Relation zu Seitenaufrufen steht. :)

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  5. Super guter Beitrag, hab das zuvor auch noch nirgendwo gesehen.
    Danke also fürs Meinungteilen!
    xx

    https://summerlights-skye.blogspot.com

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  6. Liebe Julia,

    ich lese deinen Blog schon seit mehreren Jahren und immer wieder gerne! Du hast einfach eine total sympathische Art und ich mag deinen doch sehr sachlichen, manchmal leicht ironischen Schreibstil, der sehr erwachsen rüberkommt!
    Zum Post: Sauber zusammengefasst, treffend formuliert - ich glaube auch Influencer-Neulinge bekommen damit einen guten Einblick in die Sache!

    Liebe Grüße und weiter so,
    Linn

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    1. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar, ich freu mich sehr! :)

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  7. Wow Lilly!
    Du hast das ganze Thema sowas auf den Punkt gebracht. Mir fällt es immer total schwer, dies richtig einzuschätzen, weil ich nur als Hobby blogge. Und oft denke ich dann, dass ich doch nicht so viel verlangen kann, und ich das Unternehmen so abzocke. Aber wie du so schön aufgezeigt hast, sind es vielmehr die Unternehmen die das ausnutzen...

    Liebe Grüsse
    Michaela

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  8. Gut geschrieben!
    Ich bin auch der Meinung: Weniger ist Mehr. Also lieber auf die ein oder andere Kooperation verzichten, als sich unter Wert zu verkaufen :)

    Liebste Grüße,
    Alyssa
    http://anotherlovely.de

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  9. Ich habe mir über dieses Thema vor deinem Post nie wirklich so gedanken gemacht muss ich ehrlich gestehen, aber ich verstehe deinen Standpunkt total.


    Xoxo Mel

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I love reading your comments. Thank you <3

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