Sonntag, 4. Oktober 2015

PERSONAL: Warum ich kein Snapchat mehr habe

bye

(Weil auf Instagram gewünscht. Und weil mein Kommunikationsbedürfnis nun auf andere Weise gestillt werden muss.) 

Ich habe mir Snapchat im Frühjahr 2014 runtergeladen, als ich in New York war. Ich habe es kaum benutzt, und wenn, dann habe ich private Snaps an Freunde geschickt. Zurück in Deutschland habe ich es gelöscht, weil es einfach niemand hier hatte.

Ungefähr ein Jahr später, wurde ich darauf aufmerksam, dass internationale Blogger Snapchat nun als weiteres soziales Medium nutzten, um ihre Follower an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass man neben privaten Nachrichten auch eine "Geschichte" erstellen kann, die von allen Leuten, die einen hinzufügen, angesehen werden kann.

Erst ließ ich das alles an mir vorbeigehen, doch als auch alle meine befreundeten Bloggerinnen Snapchat nutzten, war ich viel zu neugierig, um es nicht auch wieder zu installieren. Ich habe auch einfach ein sehr großes Kommunikationsbedürfnis. Ich rede viel, ich teile viel. Eigentlich wäre ich die perfekte Vloggerin. Nicht, weil ich so interessante Dinge erlebe, oder weil ich besonders gut im Filmen wäre, sondern, weil mir immer etwas einfällt, dass ich erzählen kann, ich könnte locker "daily vlogs" machen. Mache ich aber nicht. Erstens würde das wahrscheinlich keiner sehen wollen, zweitens wäre mir das zu viel. Zu intim. Dazu später.

Ich hatte nun also wieder Snapchat, verkündete das auf Instagram und innerhalb weniger Tage hatte ich eine ganze Menge "Follower" oder "Zuschauer", die sich scheinbar gerne meinen Alltag anschauten. Ich snappte nicht nur auf Events oder auf Reisen, sondern auch zu Hause, in der Uni, ungeschminkt, im Schlafanzug, auf dem Weg zur Ubahn, beim Essen. Es ist ja für Menschen ohne Blog und Instagram schon unverständlich, warum man sein Essen, wenn es besonders hübsch aussieht, fotografiert. Dass man jetzt aber auch Essen, das nicht besonders toll aussieht, filmen und kommentieren muss, "Heute Morgen gibt es wieder Oatmeal mit Banane, dieses Mal auch mit ein bisschen Kakao und Chiasamen", trifft auf Unverständnis. Zu recht! 

Ob man nun sein ganzes Leben teilen möchte oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Meine Toleranzgrenze rutschte in sehr weite Ferne. Die ungeschminkte Wahrheit gab es jeden Tag, nun gut, das macht einen vielleicht auch nahbar und authentisch, und das bringt mehr Follower. Es gab schon Grenzen, na klar. Ich habe nicht gesnappt, als ich geweint habe, nicht, als ich persönliche Gespräche geführt habe. Aber schon, wenn ich mit Freunden unterwegs war. Wenn ich bei meiner Familie war. Es war okay für mich. Ich teile ja eh schon viel mit meinen Lesern, mit euch. Im Nachhinein betrachtet vielleicht doch ein wenig zu viel.

Der ausschlaggebende Grund, warum ich Snapchat gelöscht habe, ist allerdings ein anderer und nicht die eventuell zu weit reichenden Einsichten in meinen Alltag. Snapchat hat mich extrem gestresst. Ich musste es andauernd öffnen. Nicht, um selbst zu snappen, sondern um mir die Geschichten meiner Freundinnen anzusehen. Ich hatte manchmal das Gefühl, nur so noch an ihrem Leben richtig teilzuhaben, denn telefonieren oder Nachrichten schreiben wurde (unterbewusst, unbeabsichtigt, hoffe ich) durch Snapchat abgelöst. 
"Wie, du weißt nicht, dass ich mich gestern mit XY getroffen habe? Wieso kennst du meine neuen Schuhe noch nicht? Du müsstest aber eigentlich doch schon wissen, wie meine Klausur lief! Das war doch alles auf Snapchat!" Vielleicht nicht so dramatisch, aber eigentlich schon. Außerdem nutzten zwei meiner Freundinnen Snapchat fast ausschließlich, um mit mir zu kommunizieren. Es ist aber nicht immer möglich, Snaps anzuschauen, und so hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich erst viel später antworten konnte. 

Ich gebe nicht meinen Freundinnen die Schuld. Niemandem gebe ich irgendeine Schuld. Aber es war mir einfach zu viel. Als erstes nach dem Aufwachen, als letztes vor dem Einschlafen: Snapchat. Vielleicht bin ich zu empfindlich, vielleicht habe ich zu viel Wert auf diese App gelegt. Aber es ging nicht mehr. Einmal habe ich mich dabei erwischt, wie ich mit meinem Handy in der Hand anfing zu heulen. Ich konnte keinen Grund ausmachen, aber unterbewusst wusste ich, dass es (unter anderem) an Snapchat lag. Klar, das klingt übertrieben. Das klingt unnormal. Natürlich bin ich selbst Schuld an dem Stress. Es gibt viele, die Snapchat happily ever after benutzen ohne sich gestresst zu fühlen.

Ich persönlich konnte aber nicht mehr damit umgehen. Ich habe mich abhängig gefühlt. Snapchat hat meinen Alltag eingenommen. Ich mag nicht abhängig sein. Und ohne vorherige Ankündigung auf Snapchat, habe ich eines Morgens die App gelöscht. Einfach so. Und es ging mir direkt viel besser.

Ich habe Snapchat erst über einen Monat später wieder installiert. Für meine New York Reise, denn ich fand es schön, ein paar Eindrücke der Stadt zu teilen. Dort habe ich allerdings abends bemerkt, dass ich den ganzen Tag nicht gesnappt habe. Und das hat mich sehr glücklich gemacht.

Ich finde es lieb, wenn ich auf Instagram Kommentare bekomme a la "Ich vermisse deine Snaps!", "Schade, dass du kein Snapchat mehr hast!", "Ich fand deine Snaps immer so lustig.". Natürlich, das freut mich, dass ihr mir gerne zugeschaut habt. Aber es geht mir hundert mal besser ohne die App.

Achja, außerdem hat Snapchat immer mein ganzes Datenvolumen aufgebraucht. Und zwar schon fünf Tage nach Monatsbeginn. ;)

Kommentare:

  1. Ich kann das sehr gut verstehen! Mir ging es eine Zeit lang so mit Facebook. Jeder hat gefühlt alles auf Facebook geteilt und fotografisch festgehalten und ich habe vom Leben meiner Freunde kaum noch etwas mitbekommen, weil ich nicht dauernd online sein wollte oder konnte. Der Gipfel war, als ich mal jemanden über WhatsApp fragte, ob wir abends was unternehmen. "Nee, mir gehts nicht gut!" - "Oh, was ist los?" - "Man, liest du kein Facebook!?"
    Tja... sich einfach mal für eine Zeit lang oder auch ganz aus einer App oder von einer Webseite zurück zu ziehen, tut einem manchmal wirklich gut!

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  2. ich kann dich zu 100% verstehen, mir geht's genauso!!
    warum auch immer hab ich immer Blogger hinzugefügt und ihr auch so fanca Leben angeguckt oder eben dann gar nicht so fancy, irgendwie musste ich das gucken: morgens eine Ewigkeit (was hab ich nicht alles verpasst!!) und abends dann wieder, eigentlich nur kurz zum Runterkommen vorm Einschlafen, aber die Blogger teilen immer mehr mit und ich füg immer wieder ein liebes Mädel hinzu, sodass ich schlussendlich vom ewigen starrren auf den hellen Bildschirm wieder wach geworden bin, meinen toten Punkt überschritten hab und schon stand wieder eine schlaflose Nacht vor mir.. (ich bin generell nicht so gut im Einschlafen).
    Hab vor ein paar Tage so gut wie alle gelöscht bei Snapchat, ein paar Freundin hab ich dort noch, im Moment sind einige meiner Mädels auf der Welt verteilt und teilen dort ein paar Fotos mit mir und es ist schön sie zu sehen, aber ihnen ist das eben auch nicht wichtig, sodass ich maximal 3 Minuten mit Snapchat beschäftigt bin :-)

    das ist jetzt ein sehr langer Kommentar geworden.. vielleicht sollt ich das Thema auch mal aufgreifen!

    LG Katrin

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  3. Ich hatte noch nie Snapchat, kann aber deine Gründe durchaus nachvollziehen! Vielleicht schaue ich mir die App mal an, aber ich denke nicht, dass ich sie so viel nutzen würde. Ich bin generell nicht ganz so mitteilsam :D
    Celine von sur la lune

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  4. Puh, ich komme mit den ganzen "Geschichten" bei Snapchat auch nicht zurecht. Ich mache mir da, aber jetzt nicht all zu den Stress oder Druck. Wenn ich keine Zeit dafür habe, dann habe ich nun mal keine Zeit dafür :D.

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  5. Mich erleichtert dein Post gerade enorm. Ich hatte Snaps hat installuert, wir sind aber nie so richtig miteinander warm geworden. Es gibt bestimmte Dinge die für mich einfach privat sind und es auch bleiben sollen. Von dem zusätzlichen Pflegeaufwand mal ganz abgesehen.

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  6. Ich kann dich zu 10000% verstehen. Ich war selbst eine derjenigen, die bei dir ja wie du weißt kommentiert haben, dass ich deine Snaps vermisse. Das tue ich auch, denn ich habe von den 30,40 Leuten die ich verfolge, unter anderem deine Snaps am meisten gemocht. Aber: am Anfang habe ich auch die App viel genutzt, nicht so wie du vielleicht, aber mehrmals am Tag gesnappt, immer dran gedacht wenn ich ein schönes Foto vom Essen mache auch schnell in die App zu wechseln, bloß immer jede Situation einzufangen und oft hatte ich ein schlechtes Gewissen und den Druck, in coolen Momenten die andere interessieren könnten snappen zu müssen - was für ein Quatsch! Ich habe keine Lust, NUR NOCH mit dem Handy in der Hand herumzurennen, um ja bereit zu sein, zu snappen. Man ist ja so schon viel online, aber das wurde mir echt zu viel. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, auf Bali in den drei Wochen viel zu snappen weil es sich dort auch gelohnt hätte und habe glaube ich kein einziges Mal die App geöffnet, weder zum gucken noch zum snappen, obwohl ich eine Handykarte hatte, einfach weil ich keine Lust hatte. Und obwohl ich die App noch habe und ab und an mal abends ein wenig reinschaue wer mich interessiert, snappe ich eigentlich gar nicht mehr selbst. Und gucken tue ich auch nur, wenn ich gerade wirklich Zeit und Lust drauf habe. Irgendwann hatte ich wie du morgens und abends den Druck, immer alle Snaps zu sehen um ja nichts zu verpassen - und das nervte mich extrem. Zwei Stunden am Tag gingen dafür drauf und da ist mir meine Zeit eigentlich zu schade für..

    Und: auch ich habe Freundinnen, die z.B. jetzt auf dem Oktoberfest waren und anstatt etwas in die Gruppe zu schicken oder richtig zu erzählen redeten zwei in der Gruppe nur über die Snapstory, die ich leider nicht gesehen habe weil ich an dem Tag in Prag war und kein Internet hatte, und somit erfahre ich nichts über ihren Aufenthalt - auch blöd, oder?

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