Mittwoch, 29. Juli 2015

PERSONAL: It is okay not to be okay

Er steht vom Sofa auf, schüttelt den Kopf und geht in die Küche. Ich sitze auf dem Sofa und starre an die Wand. In meinem Hals bildet sich ein Klumpen und ich spüre dieses typische Ziehen im Bereich des Schlüsselbeins. Ich frage mich, ob andere Leute das auch haben. Diesen ziehenden Schmerz im Dekolleté, welcher Tränen ankündigt. Ich greife mir mit der Hand dahin, versuche den Schmerz wegzureiben. Vergeblich. Meine Lippen pressen sich aufeinander, immer stärker, immer fester, doch es hilft nichts. Ich spüre die erste heiße Träne meine Wange hinunter laufen. Es dauert nicht lange, da folgen die zweite, dritte, vierte... Ich versuche normal zu atmen, doch verfalle sofort in dieses stockenden Heul-Atmen. Ich kenne kein Wort dafür. Ich schmecke die Tränen im Mund, ich spüre die Anstrengung in meinem Körper. 

Er kommt zurück. Ist überrascht. Warum weinst du denn? Das war doch kein Streit. Ich dachte es sei alles okay. Warum weinst du denn? Ich wische die Tränen mit meinem Handrücken weg. Ich bin nicht böse. Nein, es war kein Streit. Es liegt nicht an ihm. Es liegt nicht an uns. Er legt seinen Arm um mich. Sag doch, was ist denn los? Was macht dich so traurig? Ich zucke mit den Schultern. Ich weiß es nicht. 

Ich weiß es wirklich nicht. Was ich weiß, ist, dass es schwer nachzuvollziehen ist. Dass er irgendwann keine Geduld mehr hat, dass es ihn verletzt, dass ich mich anscheinend nicht öffnen möchte, dass es ihn nervt, dass ich dann doch ohne Grund weine, dass er verzweifelt ist, mir nicht helfen zu können. Aber ich weiß es nicht. Möchte ich getröstet werden oder alleine sein? Ich weiß es nicht. 

Alleine sein. Ich kann nicht aufhören. Ich weine, ich bin unglücklich, unzufrieden, aber bin ich das wirklich? Habe ich nicht alles, was ich möchte, geht es mir nicht gut, geht es mir nicht so viel besser als vielen anderen? Schätze ich nicht alles wert, was mir möglich ist? Warum ändere ich nicht das, was mich unglücklich macht? Weil ich es nicht weiß. Die Last zerdrückt mich. Es ist schwer zu atmen unter den Tränen. Unter dem Druck. Unter all den Fragen. Unter der Ungewissheit. Ich weiß es nicht. Ich habe Ideen. Kleinigkeiten, Situationen, Gedanken, die ich zusammenführe, die jedoch kein großes Ganzes ergeben. Ich kann nicht mehr. Ich hab keine Kraft. Ich will schlafen und alleine sein. Mein Gesicht ist heiß, meine Augen geschwollen, meine Finger zittern, ich kann nicht aufhören. Was ist denn los? Ich weiß es nicht. Es ist nichts okay, ich bin nicht okay, doch es geht vorbei. Ich weiß nicht warum, aber es geht vorbei. Es ist okay, nicht okay zu sein. Es ist okay. 


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