Donnerstag, 30. Juli 2015

Gina

Sie sitzt auf der Treppe und schaut auf ihr Handy. Ihre schulterlangen roten Haare hat sie auf eine Seite geworfen. Eine unbewusste Bewegung im Stress, der Scheitel ist verschwunden. Sie kneift kurz die Lippen zusammen und beginnt zu tippen. Sie hört kurz auf, streicht abwesend durch die Haare, beißt sich mit den Zähnen auf die Unterlippe, tippt weiter. Sie ist dünn, und im Gegensatz zu all unseren vorherigen Begegnungen wirkt sie zum ersten Mal nicht stark, sondern zerbrechlich. Ich frage, ob sie heute Abend noch was vor hat. Sie schaut nicht auf, antwortet nicht. Ich wende mich wieder ab, erledige irgendeine unwichtige Kleinigkeit, schaue sie wieder an. Ihre Gesichtszüge sind zart, Sommersprossen erstrecken sich über sie, ihre Augenfarben weiß ich gar nicht. Sie schaut zu mir auf. Hast du etwas gesagt? Ich erwidere ihren Blick. Alles okay? Ihre Augen wenden sich wieder ab. Ja, sagt sie. Knapp. Nein, fügt sie hinzu. Wir kennen uns nicht lange, ich mag nicht weiter fragen. Sie signalisiert, dass sie gerade nicht reden möchte. Sie sitzt noch ein wenig auf der Treppe, zerbrechlich, traurig. Ob sie überhaupt weiß, wie unglaublich schön sie aussieht?


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